Unterhaltsame Theaterkost für Jung und Alt offeriert das Märchentheater Triengen dieses Jahr: «Dornröschen». Die Theaterleute unter Roswitha Willimann holten sich an der Premiere mit engagiertem Spiel grossen Applaus.
Vorweihnachtszeit, das ist in Triengen seit einigen Jahren Märchenzeit. Bereits zum fünften Mal inszeniert Roswitha Willimann dieses Jahr ein Märchen. Heuer spielt das Märchentheater «Dornröschen», die tragische Geschichte jener Prinzessin, die in einen hundertjährigen Schlaf fällt, weil am Hofe bloss 12 goldene Gedecke verfügbar sind. Pech, wenn 13 Feen einzuladen wären, und die dreizehnte etwas arg empfindlich ist. Gert Richter hat das bekannte Grimmsche Märchen zu einem bühnenwirksamen Märchenspiel in acht Bildern umgearbeitet; Roswitha Willimann besorgte die Übertragung in die heimische Mundart. Elsa Wirz verbindet als Erzählerin die Szenen.
Was die Brüder Grimm auf fünf Seiten beschreiben, dauert auf der Forumbühne gute zwei Stunden. Richter entschloss sich, das Personal um einige Charaktere zu erweitern, allesamt Karikaturen, die auch Schwänke zu bevölkern pflegen und welche die Trienger Schauspielerinnen und Schauspieler ihre überaus gut entwickelte komödiantische Seite voll ausleben lassen. Da sind der gewitzte, nie verlegene Balduin (Hansruedi Kaiser), der schusselig-steife, beamtendeutsch parlierende Minister (Robi Lisebach) und der Schlosshauptmann mit Ränzchen, Schnauz und Hellebarde (Pius Berger). Nach der Pause «unterstützt» ein vertrottelter Hofmarschall Bitterlich, der näselnd alles kolossal findet (Seppi Ineichen), den depressiven Prinzen Heiri vom Blumenland (Werni Frey) bei der Befreiung der Prinzessin. Da erwächst noch und noch Situationskomik mit Versprechern und Verwechslungen, letzteres etwa, als der pflichtbewusste Schlosshauptmann das Königspaar für verkleidete böse Feen hält und fesselt. Was Jung und Alt mitlachen lässt.
Das Stück erhält vor allem im zweiten Teil, wenn mit der Verzauberung von Dornröschen (Prisca Portmann) und Hofstaat mit König (Urs Wolf), Königin (Vreni Hubmann) und Magd Fini (Sarah Hodel) die Geschichte lanciert ist, erfreulich Zug. Die gute Fee Floralia (Petra Kaiser) bietet ihre Hilfe an. Spannung entsteht bei den Auftritten der bösen Fee Stacheline (Anna Hodel) bereits beim Spindelstich, vor allem aber in jener Szene im Wald, wo Prinz Heiri mit Hofmarschall und Eselchen Langohr (Yves Frey und Miriam Ineichen) den Zauberspruch für den Abbau der Dornenhecke in Erfahrung bringt: Licht und Geräusche tragen zusammen mit den Requisiten dazu bei, und die Geschichte bekommt einen Hauch von Magie.
Rosenduft erfüllt den Zuschauerraum vor dem letzten Bild. Jutestoff mit Hunderten von Papierrosen über die ganze Bühnenbreite gespannt erlaubt einen Blick in die erstarrte Küche, wo der Küchenchef ganz nach Grimm seine Hand zur Ohrfeige zu Lasten seines Küchenburschen (Erich Portmann, Sechstklässler) erhoben hat. Ein Kuss macht den Hofstaat wieder lebendig; die Ohrfeige knallt noch nach hundert Jahren, eine Hochzeit steht an und zusammen mit dem Publikum kann das Schlusslied angestimmt werden.
Das Märchentheater Triengen bietet zwei Stunden leichtes, unterhaltsames Theater, engagiert gespielt.